Auf der diesjährigen EABS (European Association for Biblical Studies) Annual Conference 2026 in Leuven (Belgien) organisierte das Projektteam eine Local Session zum Thema “Biblical Anthropology in Canonical Discourse” als ersten internationalen Auftakt unseres Projekts (https://www.biblicalanthropology.net/). Eingeleitet durch eine kurze Vorstellung des Projektvorhabens durch Mads Hedegaard Kristensen und Matej Papić wurden in sechs Beiträgen unterschiedliche Perspektiven auf Fragen biblischer Anthropologie eröffnet: aus den Jüdischen Studien (Dalit Rom-Shiloni), der Septuaginta-Forschung (Bryan Beekman), der Qumran-Forschung (George Brook), der alttestamentlichen Bibelwissenschaft (Anne Katrine de Hemmer Gudme) und der neutestamentlichen Bibelwissenschaft (Dominika Kurek-Chomycz). Abgerundet wurde die Session durch den Beitrag von Veronika Burz-Tropper, die den hermeneutischen und methodischen Ansatz des Projekts vorstellte und der Frage nachging, wie die vielfältigen und teils spannungsreichen Vorstellungen vom Menschsein im Alten und Neuen Testament in einen kanonischen Diskurs gebracht werden können. Die Session stieß auf großes Interesse und bot Raum für einen intensiven Austausch über Vorstellungen vom Menschsein aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven.
Neben der Projekt-Session war das Grazer Team mit vier weiteren Beiträgen vertreten: Prof. Katharina Pyschny sprach in der Plenary Session der diesjährigen EABS über „More Than Meets the Eye: Cultural Semantics of Naked Bodies in the Hebrew Bible and Ancient Near Eastern Iconography“. In ihrem Vortrag ging sie der Frage nach, welche anthropologischen Aspekte durch die Darstellung nackter Körper sowohl in der Ikonographie des Alten Orients als auch in der Hebräischen Bibel verhandelt werden und wie diese Darstellungen die kulturellen Bedeutungen von Nacktheit konstruieren. In einem zweiten Vortrag mit dem Titel „Concepts of Israel in the Book of Numbers“ untersuchte sie das komplexe und vielschichtige Konzept Israels im Buch Numeri. Im Zentrum stand die Frage, wie kollektive Identität und soziale Ordnung konstituiert werden.
Auch Sarah Hollaender war mit zwei Beiträgen bei der Tagung vertreten. In ihrem ersten Beitrag „Between Erotic Power and Nurturing Qualities: The Terracotta Figurines of Women and Children from Idumea in the Persian Period“ widmete sie sich den Terrakottafiguren aus Idumäa aus der Perserzeit, die eine weibliche Figur mit einem Kind auf der linken Schulter darstellen. Ein weiterer Beitrag mit dem Titel „Looking for Yahweh in the Persian Period“ nahm die Münzprägung der südlichen Levante in der Perserzeit in den Blick und untersuchte insbesondere Symbole, die für die Darstellung und Wahrnehmung JHWHs von Bedeutung sind.
Die diesjährige EABS Annual Conference bot damit eine wertvolle Gelegenheit, die unterschiedlichen Forschungsschwerpunkte des Grazer Teams einem internationalen Publikum vorzustellen und zugleich neue Impulse für die weitere Forschungsarbeit mitzunehmen.